29.05.09

Nennt mich Matschauge.

Da ich momentan ein körperliches Wrack bin, hat mein rechtes Auge beschlossen, sich auch noch zu entzünden. Heute sieht es aber schon viel besser aus als gestern. Gestern dachte ich noch, es wird demnächst rausfallen. ... Ich muss allen Leuten von meinem entzündeten Auge erzählen. Ich kann nichts dagegen tun. Vielleicht, weil es einfach total aufregend ist. Wenn man sich die ganze Woche lang total erkältet und sterbend in die Schule schleppen muss, ist das lästig aber unspektakulär, weil das hat man ja ständig. Aber wenn man plötzlich ein entzündetes Auge hat, ist das ein Grund zur Panik. Das ist schließlich unbekannt und könnte exotisch und gefährlich sein.

Respekt an alle, die bis hierhin gelesen haben und denen noch nicht schlecht ist.
Ansonsten ist heute die letzte Klausur über die Bühne gegangen. PoWi II, die Wiederholung der Arbeit, die unser Lehrer im Urlaub verloren hat. Sie war lustig. Am Ende stand die Aufgabe, ein Wirtschaftsprogramm der Zukunft zu entwickeln, das wohl alle in der Klausur angesprochenen Probleme lösen soll. Ich glaube, diese Aufgabe kam von ganz oben. Die weisen, mächtigen Leute können die größten Probleme dieser Welt nicht lösen und lassen Schüler das machen. Getarnt in einer Klausuraufgabe und unbezahlt. Am Ende sagen sie, sie haben sich das ganz alleine ausgedacht.

Im verschlossenen Informations- und Ankündigungskasten aus Glas hängt seit gestern ein Zettel, auf dem unten groß 'Rückseite beachten!' steht.

24.05.09

Sonntag #8

Wenn man immer wieder draufhaut, müsste es doch eigentlich taub werden und man dürfte irgendwann nichts mehr spüren. Aber dann wäre ich ja gar nicht traurig, und das ist in diesem Fall unmöglich und wird niemals passieren.

Jedenfalls war dieses Wochenende dringend nötig und sehr toll.


● Wenn Leute lustige, bunte Bilder malen, nimmt das oft abstruse Züge an. Auf diesem fröhlichen Papp-Eisbecher ist ein kannibalisches Eis abgebildet, das ein anderes Eis isst, sowie ein Eis, dem ein Löffel in den Kopf gebohrt wurde, sodass es blut-/erdbeersoßenüberströmt ist. Gruselig.
Augen.
● Bevor ich über das Netzteil gestolpert bin, sah es mehr aus wie ein Herz. Aber es war danach auch noch schön.
● Das Traurige an echten Blumen ist ja, dass sie irgendwann sterben. Die hier ist aber erst mal aufgegangen. Irgendwann werd ich sie trocknen und aufheben.

Und jetzt noch zwei Wochen bis Bochum. Die Zeit vergeht wohl irgendwie. Auch die weniger schönen Stunden.

14.05.09

Auto. Kino.

Ich glaube, ich habe noch nicht erwähnt, dass mein Fahrschulauto wieder von den Toten auferstanden ist. Nach über einem Monat in der Werkstatt ist es noch einmal zurückgekehrt! Das war vor wenigen Wochen. Ich habe es einmal gesehen.
Diese Woche hatte mein Fahrlehrer wieder den Leihwagen. Jemand ist ihm hinten draufgefahren. Ge...nau. Er wirkte traurig, als er mir das erklärt hat.
Nun ja. Diese Woche hab ich meine 4 Autobahnstunden hinter mich gebracht. Ich mag Autobahn. Es sind immer die gleichen einfachen, stumpfen Handlungsabläufe und es kommen keine Querstraßen vor, in die man nicht reinsehen kann. Das ist natürlich eine recht gefährliche Einstellung, Autobahn weniger stressig zu finden als Stadtverkehr, aber was will man machen.

Ansonsten war ich gestern im Kino, Star Trek XI. Ich bin nicht für ausführliche Filmkritiken zuständig und ich will auch niemandem den Spaß verderben, indem ich Aussagen über die Handlung mache, daher nur ein paar kurze Anmerkungen.
Der Film ist etwas zu dramatisch, aufregend und explosionslastig, aber trotzdem irgendwie cool. Diese drei Szenen, wo Kirk an verschiedenen Klippen/Plattformen hängt und rechts neben ihm etwas runterfällt - das ist nicht etwa einfallslos, nein, das ist fast schon Kunst. Und die Szene mit Kirk, Sulu (blaue und gelbe Schutzanzüge) und dem namenlosen Typen, der die Sprengladungen hat (roter Schutzanzug), ist wunderbar selbstironisch.

11.05.09

Sonntag # 7 beziehungsweise der Tag danach

Ich war gestern zu kaputt, um die Dinge noch in sentimentale Worte zu fassen. Daher beschreibe ich das mal aus heutiger Sicht.
Das Experiment, mal nicht so traurig sein zu wollen, ist gescheitert. Das hat den einfachen Grund, dass jeder einzelne Tag zu viel ist. Auch wenn diesmal nur 9 zu überstehen sind, Feiertag sei Dank.
Dann les ich so was und stelle wieder fest, was für ein Glück wir doch haben. Nun ja, das sowieso, in jeder Hinsicht.

Ein paar Ausstellungsstücke:

 
Links: Vollgestopfter ICE ist vollgestopft. Der Gepäckberg der in Frankfurt Flughafen Fernbahnhof Zugestiegenen versperrte mir unter anderem den Ausblick auf diesen Anblick. Und einmal ist er umgefallen und hätte mich fast erschlagen.
Rechts: Mein Fuß wurde etwas unkonzentriert angemalt. Aber gerade die nachträgliche Korrektur macht es so persönlich und charmant.

Nun ja. Mein Fuß sieht immer noch fast genauso aus, und viel mehr Sichtbares lässt sich nicht in den tristen Alltag retten.
Der sieht so aus, dass ich immer noch Autofahren lerne und heute zum ersten Mal auf der Autobahn war und es ganz gerne mochte, und dass ich morgen eine Informatik-Klausur schreibe und keine Vorstellung habe worüber. Wir haben letzte Woche einige Minuten auf dem Gang mit dem Lehrer darüber gesprochen, und als er dann debil grinsend davongetanzt ist, fiel uns auf, dass wir nicht mehr wussten als zuvor.
Aber wir machen uns keine Sorgen, wir haben das ja bloß als LK gewählt...

07.05.09

Meine Schule ist spannender als jede Seifenoper...

...und aussichtsreicher als jede Singlebörse.
Als ich an diese Schule gekommen bin, gab es ein Lehrer-Ehepaar. Sie sind inzwischen geschieden und der Mann ist nicht mehr da, beides hat irgendwas mit Drogen zu tun, wurde mir gesagt.
In den darauffolgenden Jahren haben zwei weitere Lehrer-Paare geheiratet (das eine hat mal die gleichen geringelten Polo-Shirts getragen und damit jegliche Achtung verloren), von einem dritten gibt es Verlobungsgerüchte, der Direktor hatte eine Affäre mit einer Referendarin und mein Physik-Lehrer ist jetzt mit meiner neuen Reli-Lehrerin zusammen. Ich weiß nach nunmehr drei Wochen übrigens endlich, wie sie heißt.

Wahrscheinlich interessieren diese Klatschgeschichten niemanden. Klatschgeschichten sind schließlich nur interessant, wenn man die Leute, die darin vorkommen, kennt.
Aber ich hab auch richtige Neuigkeiten. Sven und ich haben neue Cartoons. Es wird unter anderem das moderne Geheimnis der in der Waschmaschine verschollenen Socken geklärt und ich kann doch ein bisschen Autos malen.

Und nun noch ein Blick in die Zukunft.
In einer halben Stunde muss ich zum Zahnarzt. Ich bin mir nicht sicher, wie viel Angst ich haben muss. Was Schlimmeres als Weisheitszähne kann ja nicht mehr passieren. Auf jeden Fall ist es Zahnarzt. Das mag ich nicht.
Und in ca. 24 Stunden bin ich in einem Zug in Richtung wo es schön ist. Das mag ich.

03.05.09

Aiiiiiii!

Meine Mutter versucht wieder Blockflöte zu spielen. Inzwischen ist sie wütend auf die Blockflöte. Ich auch. Ich mag es lieber, wenn sie Keyboard spielt.

Die tun nichts, die wollen nur spielen!

Ich habe ja letztens von der Wasserrakete erzählt, für die ein Fahrrad geschlachtet werden musste. Also, sie funktioniert ein bisschen.
Nachdem wir gesehen haben, dass fächerübergreifender Unterricht keine Idealvorstellung des Kultusministeriums ist sondern Realität (Physik vereint Werken und Biologie - auf großen Wiesen, die als Flugplatz verwendet werden können, steht das Gras gerade hüfthoch), konnten wir die Rakete einige Meter in die Luft und viel mehr Meter in die falsche Richtung befördern. Sie hat fast ein paar Spaziergänger getroffen, die sie uns aber freundlicherweise wieder hinter dem Zaun hervorgeangelt haben. Jetzt bauen wir noch Stabilisierungsflossen an.

Das war der Freitag. Der ging noch.
Gestern war Kindergeburtstag. Meine ältere kleine Cousine ist jetzt 10.
Inzwischen sind sie zusammen stärker als ich. Die Freude am Quälen ist leider dieselbe geblieben. Ich möchte nicht weiter darauf eingehen, da ich das Trauma schon ein bisschen verarbeitet habe. Aber es kommen Stöcke drin vor.
Wenn man mit einer wissenschaftlicheren Betrachtungsweise an jenen Nachmittag herangeht, entwickelt man eine Faszination für das Vokabular der Kinder. Während wir uns mit 10 Jahren nicht mal getraut haben, 'Arsch' zu sagen, kommunizieren die beiden und die kleinen Jungs aus der Nachbarschaft auf eine Weise, die unserer 9. Klasse Hauptschule ebenbürtig wäre.
Ansonsten sind sie ja sehr brav. Keiner der anwesenden Erwachsenen möchte glauben, was sie mit mir gemacht haben. Sie finden es auch lustig, wenn mir von zwei Kindern in verschiedene Richtungen die Arme umgedreht werden. Nächstes Mal schließ ich mich im Bad ein.

Und, ach ja, wenn meine Kinder später die Nachfolge-Abziehbilder von Hannah Montana und deren Lovern mögen, kommen sie ins Heim.