30.12.11

Wintersonnenwende

Im Dezember gibt es in unserem allerliebsten China-Restaurant in meiner Heimatstadt meistens Kalender. Diesmal sind niedliche Pandabären drauf, und er passt farblich sehr gut ins Schlafzimmer. Ich werde jetzt jedes Mal, wenn ich darauf schaue, traurig und verzweifelt sein, weil ich nicht die Frühlingsrollen von dort haben kann. D:
Auch dieses traurige Nest hat etwas Gutes. Dass es ein sehr kleines trauriges Nest ist, erkennt man daran, dass ich bei jedem Besuch irgendwen sehe, den ich nicht leiden kann.
Zu Svens Heimatstadt gibt es auch eine schöne Geschichte. Bei unserem ersten Besuch nach dem Umzug wollten uns ein paar 15-Jährige verprügeln. Sie waren zu dritt und wir zu fünft, und sie meinten, sie würden uns 'Krankenhaus' machen, aber 'du schlägst zuerst, ja?'.

Das Ruhrgebiet gefällt mir viel besser. Mülheim hat uns dann doch ein bisschen betrogen, denn die Stadt ist auf so komischen Hügeln gebaut, die das Radfahren schon wieder unmöglich machen, und gegen 19:30 werden die Bürgersteige hochgeklappt (der Busfahrplan ist ab dieser Zeit nur noch 5% besser als in der Provinz).
Da hatten wir uns aber schon in die Wohnung verliebt.
Ich glaube, die Wohnung ist auch glücklich, weil sie jetzt nämlich regenbogenfarben ist. In den anderen Wohnungen in diesem Haus sind noch braune Fliesen und falsch gehende Kuckucksuhren und so. Da hat unsere es echt gut. 




Man beachte die charmanten Details, wie zum Beispiel die Tatsache, dass manche dieser Bilder gemacht wurden, als die Bäume vor dem Fenster noch Blätter hatten, während das Foto des Flurs ohne richtigen Boden und ohne richtige Lampe zu den neueren gehört.
Aber viel wichtiger sind doch die niedlichen Killermöwen im Bad! Und die niedlichen Plüschhaie im Bett. Jeder sollte einen Flauschfisch haben! Sie sind so groß und weich und kuschelig! Und im Ikea liegen sie so traurig in einem großen Korb und gucken... Wenn wir nächstes Mal zu Ikea gehen und es die in noch einer anderen Farbe gibt, haben wir vielleicht keinen Platz mehr im Bett.

Die Uni ist auch gut.
Der erste Eindruck vom Gebäude mit den Einschreibungsbüros hat sich nicht bestätigt, es ist das einzige Gebäude, in dem es durch die Decke tropft. Damit ist die Uni schon zu 78% weniger verfallen als meine Schule.
Außerdem gibt es theoretisch WLAN, wenn mal nicht so viele Leute gleichzeitig gelangweilt sind, dass man eine Chance hat reinzukommen. Das ist das richtige Leben. Erst wird man wie ein erwachsener Mensch behandelt (An der Schule heißt es ja: 'Was, ihr wollt WLAN? Aber die Haftung!'), und dann ist man irgendwann Master of Science.
Jetzt scheitert man auch nicht mehr an den Klausuren, weil der Lehrende alle hasst und sie in die Pfanne hauen will, sondern weil er nie mit jemandem seiner Schützlinge gesprochen hat und gar nicht weiß, was die können. (Yay, Digitaltechnische Grundlagen und Mikrocomputer!) Oder auch weil er so in seiner Disziplin aufgegangen ist, dass er sich nicht mehr vorstellen kann, dass Sterbliche das nicht nachvollziehen können. (Diskrete Mathematik: 'Ist klar, oder?' Oder auch Psychologie: 'Meine zweitliebste Hirnregion ist das Cerebrocerebellum!')
Das bemerkenswerteste architektonische Merkmal ist wohl die Bibliothek, die ein originalgetreuer Nachbau der Bibliothek von Hogwarts ist. Die wichtigen Bücher stehen auf den halben Zwischenetagen, und wenn man nicht aufpasst, fällt man von dort runter.

Ich weiß jetzt, dass ich wirklich Programmieren lernen kann, und ich habe Freunde gefunden.
Sven geht es auch gut, er geht nur zwei Tage in der Woche zur Uni. Und ich zwinge ihn nicht, Fisch zu essen und so.
Es ist schön, dass die Tage jetzt schon wieder länger werden.

Nächstes Mal:
Meine Kätzchenpantoffeln, und wahrscheinlich ein neues Bild. Zwischendurch lerne ich 400 Begriffe auswendig, die mit Gehirnen zu tun haben.